Chemiefasern sind Fasern, die industriell hergestellt werden, statt wie Baumwolle oder Wolle natürlich zu wachsen. Man unterscheidet halbsynthetische Fasern aus naturbelassenen Rohstoffen wie Viskose sowie vollsynthetische Fasern aus Erdöl wie Polyester und Polyamid. Mikrofaser, das wichtigste Material für professionelle Reinigungstücher, ist eine besonders feine vollsynthetische Chemiefaser.
Chemiefasern haben in der professionellen Reinigung Naturfasern weitgehend verdrängt, weil sich ihre Eigenschaften gezielt auf den Anwendungszweck hin konstruieren lassen – etwas, das bei natürlich gewachsenen Fasern nur begrenzt möglich ist.
Zwei Grundtypen
- Halbsynthetische Fasern – ausgehend von natürlichen Polymeren wie Zellulose, chemisch aufgelöst und neu versponnen; wichtigster Vertreter ist Viskose
- Vollsynthetische Fasern – vollständig aus petrochemischen Grundstoffen aufgebaut; wichtigste Vertreter sind Polyester, Polyamid und Polypropylen
Warum Chemiefasern für Reinigungstextilien dominieren
Bei der Herstellung lässt sich die Faserfeinheit exakt steuern. Mikrofaser, die Grundlage moderner Reinigungstücher, wird so fein gesponnen, dass ein Faden dünner ist als ein menschliches Haar. Zusätzlich lassen sich Polyester- und Polyamidfasern im sogenannten Spaltverfahren longitudinal aufspalten, wodurch eine stark vergrößerte, mikroskopisch raue Oberfläche entsteht, die Schmutz mechanisch aufnimmt statt ihn nur zu verschieben.
Polyester und Polyamid im Vergleich
- Polyester – hydrophob, nimmt kaum Wasser auf, trocknet schnell, gute Formstabilität
- Polyamid – hydrophil, nimmt Feuchtigkeit gut auf, weicher Griff, etwas empfindlicher gegenüber hohen Temperaturen
In hochwertigen Mikrofasertüchern werden beide Fasertypen häufig kombiniert: Polyester für die Schmutzaufnahme, Polyamid für die Wasseraufnahme.
Eigenschaften im Vergleich zu Naturfasern
Chemiefasern sind meist reißfester, formstabiler, schneller trocknend und unempfindlicher gegenüber Chemikalien als vergleichbare Naturfasern. Baumwolle punktet dagegen mit höherer Saugfähigkeit für reines Wasser und besserer Verträglichkeit bei empfindlicher Haut, weshalb sie in bestimmten Anwendungen weiterhin bevorzugt wird, etwa bei Poliertüchern für sehr empfindliche Oberflächen.
Pflege
Chemiefasertextilien, besonders Mikrofaser, vertragen keine Weichspüler, da diese die feinen Spalträume der Faser verschließen und die Reinigungswirkung dauerhaft mindern. Hohe Waschtemperaturen sind meist unproblematisch, sollten aber innerhalb der vom Hersteller angegebenen Grenzen bleiben, da manche Fasertypen bei zu hoher Hitze an Struktur verlieren.
Umweltaspekt
Vollsynthetische Chemiefasern basieren auf fossilen Rohstoffen und geben beim Waschen Mikroplastikfasern ab, ein Thema, das in der textilen Reinigungsbranche zunehmend diskutiert wird. Waschbeutel mit Feinfiltern und der Einsatz langlebiger, oft gewaschener Mehrwegtücher statt häufig ausgetauschter Billigware können diesen Effekt in der betrieblichen Praxis reduzieren.