Vliestuch

Auch bekannt als: Vliesstoff, Nonwoven, Vliestücher

Ein Vliestuch besteht aus einem Vliesstoff, also einem Flächengebilde aus Fasern, die nicht gewebt oder gestrickt, sondern mechanisch, thermisch oder chemisch verbunden sind. Vliestücher sind fusselarm, chemikalienbeständig und formstabil im nassen Zustand – Eigenschaften, die sie für Reinigung, Desinfektion und Pflege attraktiv machen.

Vliesstoffe stehen zwischen Papier und Textil. Sie werden nicht gewebt, sondern aus einem Faserflor gebildet, der anschließend verfestigt wird. Daraus ergibt sich eine Kombination von Eigenschaften, die weder Papier noch Gewebe allein bieten.

Herstellung

Zunächst wird ein Faserflor gelegt, entweder trocken, nass oder direkt aus der Schmelze. Danach folgt die Verfestigung:

  • Mechanisch – Vernadelung oder Wasserstrahlverfestigung, letztere ergibt besonders weiche, textilähnliche Tücher
  • Thermisch – die Fasern werden an den Kreuzungspunkten miteinander verschmolzen
  • Chemisch – ein Bindemittel verklebt die Fasern

Für Reinigungstücher sind wasserstrahlverfestigte Vliese aus Viskose-Polyester-Mischungen am verbreitetsten.

Eigenschaften

  • Hohe Nassfestigkeit – das Tuch zerfällt beim Wischen nicht
  • Fusselarm – wichtig bei Glas, Edelstahl und in Reinräumen
  • Beständig gegen die meisten Reinigungs- und Desinfektionsmittel
  • Gute Aufnahmekapazität bei geringem Eigengewicht
  • Je nach Ausführung begrenzt mehrfach verwendbar

Anwendungen

Im Hygiene- und Reinigungsbereich finden sich Vliestücher als Desinfektionstücher im Spendereimer, als vorgetränkte Wipes, als Trockentücher zur Eigenbefeuchtung, als Poliertuch für Edelstahlflächen und als Einwegtuch in Bereichen mit Kontaminationsrisiko. In der Pflege werden Vliestücher zudem als Waschtücher eingesetzt.

Abgrenzung zu Papier

Papier besteht aus Zellulosefasern, die sich beim Trocknen durch Wasserstoffbrücken verbinden; bei Nässe lösen sich diese Bindungen wieder, sofern kein Nassfestmittel eingesetzt wird. Vliesstoff wird dagegen mechanisch oder thermisch verfestigt und bleibt auch durchnässt stabil. Deshalb sind Vliestücher überall dort im Vorteil, wo intensiv nass gearbeitet wird.

Hinweis zur Entsorgung

Vliestücher gehören nicht in die Toilette, auch wenn sie sich weich anfühlen. Sie zersetzen sich im Abwasser nicht und sind eine der häufigsten Ursachen für Verstopfungen und Pumpenschäden in Kanalnetzen.

Normen und Prüfverfahren

DIN EN ISO 9073 DIN EN 29073

Häufige Fragen zu Vliestuch

Was ist der Unterschied zwischen Vlies und Gewebe?

Ein Gewebe entsteht durch das rechtwinklige Verkreuzen von Kett- und Schussfäden. Ein Vliesstoff hat keine Fadenstruktur, sondern besteht aus einem verfestigten Faserflor. Vlies ist dadurch günstiger herzustellen, aber weniger reißfest in einer definierten Richtung.

Sind Vliestücher wiederverwendbar?

Das hängt von der Ausführung ab. Leichte Einwegvliese sind für den einmaligen Gebrauch bestimmt, kräftigere wasserstrahlverfestigte Tücher lassen sich je nach Hersteller mehrfach verwenden und teilweise waschen. Die Angaben des Herstellers sind maßgeblich.

Dürfen Vliestücher in die Toilette?

Nein. Vliesstoffe lösen sich im Wasser nicht auf und verursachen Verstopfungen sowie Schäden an Pumpen und Kläranlagen. Sie gehören in den Restmüll oder, bei Kontamination, in die dafür vorgesehene Abfallfraktion.

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