Bagasse ist der Faserrückstand, der bei der Saftgewinnung aus Zuckerrohr übrig bleibt. Aus diesem Reststoff wird formstabiles Einweggeschirr wie Teller, Schalen und Menüboxen hergestellt, das unter industriellen Bedingungen kompostierbar ist (z. B. nach EN 13432). Bagasse-Produkte sind eine Alternative zu Kunststoff- und Styroporgeschirr in der Gastronomie.
Bagasse verwandelt einen Reststoff der Zuckerproduktion in ein brauchbares Verpackungsmaterial – ein Beispiel für die Kreislaufnutzung landwirtschaftlicher Nebenprodukte.
Herkunft und Herstellung
Bei der Zuckerherstellung wird Zuckerrohr ausgepresst, um den Saft zu gewinnen. Übrig bleiben die faserigen Pflanzenreste, die Bagasse. Diese werden gereinigt, zerkleinert, mit Wasser zu einem Faserbrei verarbeitet und anschließend unter Hitze und Druck in Formen gepresst, ähnlich wie bei der Herstellung von Eierkartons. Das Ergebnis ist ein festes, leicht raues Material mit natürlicher, meist beiger Optik.
Eigenschaften
- Formstabil, auch bei fetthaltigen und feuchten Speisen
- Hitzebeständig bis in den Bereich, der für Mikrowelle und Backofen bei moderaten Temperaturen ausreicht
- Kompostierbar nach DIN EN 13432; je nach Produkt zusätzlich heimkompostierbar zertifiziert (z. B. nach NF T51-800 / „OK compost HOME") – siehe Herstellerangabe
- Frei von den langlebigen Kunststoffbeschichtungen, die bei manchem Pappgeschirr die Kompostierbarkeit einschränken
Verwendung
Teller, Schalen für Salate und Suppen, Menüboxen mit und ohne Deckel, Fastfood-Verpackungen und Tabletts. Besonders verbreitet ist Bagasse dort, wo Styropor bislang Standard war, etwa bei Take-away-Speisen, weil sie eine ähnliche Formstabilität bietet und dabei kompostierbar ist, anders als Styropor.
Abgrenzung zu anderen Einwegmaterialien
Im Unterschied zu PLA, das aus Maisstärke oder Zuckerrohrsaft zu einem kunststoffähnlichen Biopolymer verarbeitet wird, ist Bagasse ein Fasermaterial ähnlich wie Pappe, nur aus einem anderen Rohstoff. Im Unterschied zu herkömmlichem Kraftpapier-Geschirr ist Bagasse von Natur aus formstabiler und feuchtigkeitsresistenter, ohne dafür eine zusätzliche Kunststoffbeschichtung zu benötigen.
Einschränkungen
Bagasse-Geschirr ist in der Regel nicht für sehr heiße Flüssigkeiten über längere Zeit oder für stark ölhaltige, tiefgefrorene Anwendungen optimiert; hier lohnt der Blick auf die Herstellerangaben zur Belastbarkeit. Preislich liegt Bagasse meist über einfachem Kunststoff- oder Styroporgeschirr, was bei der Kalkulation zu berücksichtigen ist.
Entsorgung
Kompostierbares Bagasse-Geschirr gehört, sofern es keine Speisereste in relevanter Menge mehr enthält, grundsätzlich in die Bioabfallsammlung, sofern der örtliche Entsorger dies akzeptiert. Bei starker Verschmutzung mit nicht kompostierbaren Materialien wie Kunststoffdeckeln ist eine Trennung vor der Entsorgung erforderlich.