Deinking

Auch bekannt als: Entfärbung, Druckfarbenentfernung, Deinking-Verfahren

Deinking bezeichnet das Entfernen von Druckfarben aus Altpapier. Die Farbpartikel werden von den Fasern gelöst und anschließend meist per Flotation abgeschieden. Ohne Deinking ließen sich aus bedrucktem Altpapier keine hellen Papiere herstellen; das Verfahren ist damit die Voraussetzung für hochwertiges Recyclingpapier.

Deinking ist der technisch anspruchsvollste Schritt im Papierrecycling. Er entscheidet darüber, ob aus gemischtem Altpapier ein graues Verpackungspapier oder ein helles Hygienepapier wird.

Ablauf

  1. Auflösung – Im Pulper wird das Altpapier unter Zugabe von Wasser, Natronlauge, Seife und Wasserstoffperoxid zerfasert. Die Chemikalien lösen die Druckfarbe von den Fasern.
  2. Grobreinigung – Siebe und Zentrifugalabscheider entfernen Klammern, Sand, Folien und Klebstoffreste.
  3. Flotation – In Flotationszellen wird Luft eingeblasen. Die hydrophoben Farbpartikel lagern sich an die Luftblasen an und steigen als Schaum auf, der abgeschöpft wird. Dieser Schritt trägt den Hauptteil der Farbentfernung.
  4. Wäsche – Sehr feine Partikel werden ausgewaschen; das kostet allerdings Faserausbeute.
  5. Bleiche – Eine abschließende chlorfreie Bleiche hebt den Weißgrad an.

Was sich gut und was sich schlecht deinken lässt

Zeitungen und Illustrierte mit konventionellen Offsetfarben sind gut geeignet. Problematisch sind wasserbasierte Flexodruckfarben, weil sie sich im alkalischen Milieu fein verteilen und das Wasser einfärben statt aufzuschwimmen. Auch UV-härtende Farben, Digitaldrucke, Laminierungen und bestimmte Klebstoffe erschweren die Aufbereitung. Die Branchenvereinigung INGEDE hat dafür standardisierte Bewertungsmethoden entwickelt.

Bedeutung für Hygienepapier

Für weiße Recycling-Hygienepapiere wird überwiegend hochwertiges, gut deinkbares Altpapier eingesetzt. Je sauberer das Deinking, desto höher der erreichbare Weißgrad – und desto geringer der Bedarf an Bleichchemikalien. Produkte mit Blauem Engel erfüllen dabei strenge Vorgaben zum eingesetzten Chemikalienspektrum.

Reststoffe

Der abgeschöpfte Deinkingschlamm enthält Farbpartikel, Füllstoffe und kurze Fasern. Er wird üblicherweise energetisch verwertet oder in der Zementindustrie eingesetzt. Der Faserverlust im Prozess liegt je nach Altpapiersorte und Verfahren im zweistelligen Prozentbereich.

Normen und Prüfverfahren

DIN EN 643 INGEDE-Methoden

Häufige Fragen zu Deinking

Wofür steht der Begriff Deinking?

Er kommt vom englischen ink für Tinte oder Druckfarbe. Deinking bedeutet wörtlich Entfärben und bezeichnet das Herauslösen und Abscheiden von Druckfarbe aus aufgelöstem Altpapier.

Warum ist Flexodruck beim Recycling problematisch?

Wasserbasierte Flexodruckfarben zerfallen im alkalischen Pulper in sehr feine, wasserlösliche Partikel. Diese lassen sich in der Flotation kaum abscheiden und färben stattdessen das Prozesswasser und die Fasern grau ein.

Wird jedes Recyclingpapier deinkt?

Nein. Für graue oder braune Verpackungspapiere ist das Deinking unnötig. Es wird gezielt dort eingesetzt, wo helle Papiere entstehen sollen – etwa bei Hygienepapieren und grafischen Recyclingpapieren.

Verwandte Begriffe