Zellstoff ist der aus Holz gewonnene Faserstoff, aus dem Papier hergestellt wird. Beim Aufschluss werden die Holzfasern chemisch vom Lignin getrennt, das sie im Baum verkittet. Zellstoff aus Erstverwendung heißt Frischfaser oder Primärfaser – im Gegensatz zu Recyclingfasern aus Altpapier.
Zellstoff ist der wichtigste Rohstoff der Papierherstellung. Er besteht überwiegend aus Zellulose, dem Gerüststoff pflanzlicher Zellwände. Um daraus Papier machen zu können, muss das Lignin entfernt werden, das die Fasern im Holz zusammenhält und Papier vergilben lässt.
Herstellung
Beim dominierenden Sulfatverfahren, auch Kraftverfahren genannt, werden Hackschnitzel unter Druck und Hitze mit einer alkalischen Lösung gekocht. Das Lignin geht in Lösung, die Fasern bleiben weitgehend unbeschädigt zurück. Das Ergebnis sind lange, reißfeste Fasern. Das ältere Sulfitverfahren liefert hellere, aber weniger feste Fasern und spielt heute eine kleinere Rolle.
Bleiche
Ungebleichter Zellstoff ist bräunlich. Für weiße Hygienepapiere wird gebleicht, heute praktisch ausschließlich chlorfrei:
- ECF – elementar chlorfrei, gebleicht mit Chlordioxid statt mit elementarem Chlor
- TCF – totally chlorine free, ganz ohne Chlorverbindungen, meist mit Sauerstoff, Ozon oder Wasserstoffperoxid
Beide Verfahren gelten als deutlich umweltverträglicher als die früher übliche Chlorbleiche.
Lang- und Kurzfasern
Nadelhölzer wie Fichte und Kiefer liefern Langfasern und damit Festigkeit. Laubhölzer wie Eukalyptus und Birke liefern Kurzfasern, die für Weichheit, Volumen und eine glatte Oberfläche sorgen. In Hygienepapieren werden beide gezielt gemischt: Langfasern für die Reißfestigkeit, Kurzfasern für das angenehme Griffgefühl.
Bedeutung für Hygienepapier
Frischfaserpapiere sind heller, weicher und gleichmäßiger als Recyclingpapiere und werden dort eingesetzt, wo Optik und Haptik zählen – etwa in Kosmetiktüchern, hochwertigen Servietten oder Gästesanitärbereichen. Ökologisch schneiden sie schlechter ab, weil jede Faser neu gewonnen werden muss. Zertifikate wie FSC und PEFC belegen, dass das Holz aus verantwortungsvoll bewirtschafteten Wäldern stammt.
Faserrecycling hat Grenzen
Eine Papierfaser lässt sich etwa fünf- bis siebenmal wiederverwenden, danach ist sie zu kurz und zu spröde. Deshalb wird auch in einem gut funktionierenden Kreislauf laufend frischer Zellstoff benötigt.