Die DIN EN ISO 374 regelt Schutzhandschuhe gegen gefährliche Chemikalien und Mikroorganismen. Sie legt fest, wie die Beständigkeit gegen definierte Prüfchemikalien gemessen und gekennzeichnet wird. Handschuhe werden je nach Anzahl bestandener Prüfchemikalien in die Typen A, B und C eingeteilt.
Wer Handschuhe für den Umgang mit Reinigungs- und Desinfektionsmitteln beschafft, kommt an dieser Norm nicht vorbei. Sie beantwortet die Frage, wie lange ein Handschuh einer bestimmten Chemikalie tatsächlich standhält.
Durchbruchzeit
Kernbegriff der Norm ist die Permeation, also das Durchdringen der Chemikalie auf molekularer Ebene – auch ohne sichtbares Loch. Gemessen wird die Zeit bis zum Durchbruch und daraus eine Schutzklasse abgeleitet:
- Klasse 1 – mehr als 10 Minuten
- Klasse 2 – mehr als 30 Minuten
- Klasse 3 – mehr als 60 Minuten
- Klasse 4 – mehr als 120 Minuten
- Klasse 5 – mehr als 240 Minuten
- Klasse 6 – mehr als 480 Minuten
Typen
- Typ A – mindestens sechs Prüfchemikalien mit Klasse 2 oder besser
- Typ B – mindestens drei Prüfchemikalien
- Typ C – mindestens eine Prüfchemikalie mit Klasse 1
Auf dem Handschuh oder der Verpackung stehen die Buchstabencodes der bestandenen Prüfchemikalien, etwa J für n-Heptan, K für Natronlauge 40 Prozent oder L für Schwefelsäure 96 Prozent.
Schutz gegen Mikroorganismen
Der Teil 5 der Norm regelt den Schutz gegen Bakterien, Pilze und gegebenenfalls Viren. Grundlage ist die Dichtheitsprüfung nach Teil 2. Ist zusätzlich der Virendurchtritt geprüft, darf das Piktogramm den Zusatz VIRUS tragen – für den Umgang mit potenziell infektiösem Material ist genau dieser Zusatz entscheidend.
Praktische Auswahl
Ein Handschuh mit langer Durchbruchzeit ist nicht automatisch der richtige: Dickere Materialien schränken das Tastgefühl ein und verleiten zum vorzeitigen Ausziehen. Für kurze Kontakte mit verdünnten Reinigungslösungen genügt oft ein Einweghandschuh nach Typ C, während beim Umfüllen von Konzentraten ein Chemikalienschutzhandschuh nach Typ A angezeigt ist.
Wichtig: Die Durchbruchzeit gilt ab dem ersten Kontakt, nicht ab dem Anziehen. Ein Handschuh, der morgens mit einem Konzentrat in Berührung kam, bietet nachmittags keinen definierten Schutz mehr.
Zusammenhang mit anderen Normen
Für Handschuhe im medizinischen Bereich gilt zusätzlich die EN 455. Mechanische Eigenschaften wie Schnitt- und Abriebfestigkeit regelt die EN 388.