EN 455

Auch bekannt als: DIN EN 455, Medizinische Einmalhandschuhe, Untersuchungshandschuh-Norm

Die DIN EN 455 legt die Anforderungen an medizinische Einmalhandschuhe fest. Sie besteht aus vier Teilen und regelt Dichtheit, physikalische Eigenschaften, biologische Sicherheit und Haltbarkeit. Handschuhe nach dieser Norm sind Medizinprodukte und tragen eine CE-Kennzeichnung.

Während die EN ISO 374 den Schutz des Trägers vor Chemikalien regelt, betrachtet die EN 455 den Handschuh als Medizinprodukt: Er soll Patient und Anwender wechselseitig vor Übertragungen schützen.

Die vier Teile

  • Teil 1 – Dichtheit. Geprüft wird mit der Wasserdichtheitsprüfung. Der zulässige AQL-Wert für Löcher liegt bei höchstens 1,5, bei Operationshandschuhen strenger.
  • Teil 2 – Physikalische Eigenschaften. Anforderungen an Reißkraft und Maße, damit der Handschuh beim Anziehen und während der Anwendung nicht versagt.
  • Teil 3 – Biologische Sicherheit. Grenzwerte für Endotoxine, Anforderungen an die Kennzeichnung von Latexproteinen und an Puderfreiheit.
  • Teil 4 – Haltbarkeit. Nachweis der Lagerfähigkeit und Festlegung des Verfallsdatums.

Untersuchungs- oder Operationshandschuh

Untersuchungshandschuhe sind unsteril oder steril, anatomisch nicht seitenspezifisch geformt und für allgemeine Tätigkeiten am Patienten vorgesehen. Operationshandschuhe sind stets steril, seitenspezifisch geformt und unterliegen strengeren Anforderungen an Dichtheit und Passform.

Materialien

  • Nitril – frei von Latexproteinen, gute Chemikalien- und Reißfestigkeit, heute der Standard im medizinischen und im Reinigungsbereich
  • Latex – bestes Tastgefühl und hohe Elastizität, aber Sensibilisierungsrisiko durch Naturkautschukproteine
  • Vinyl – günstig, jedoch geringere Dichtheit und Reißfestigkeit; für Tätigkeiten mit Infektionsrisiko nicht geeignet

Puder

Gepuderte Handschuhe sind in der EU faktisch verschwunden. Der Puder trägt Latexproteine in die Raumluft, begünstigt Sensibilisierungen und kann bei Operationen Verwachsungen fördern. In vielen Ländern sind sie im medizinischen Bereich verboten.

Abgrenzung zur Lebensmitteltauglichkeit

Ein Handschuh nach EN 455 ist nicht automatisch für den Lebensmittelkontakt geeignet. Dafür ist eine gesonderte Konformitätserklärung nach der Verordnung 1935/2004 erforderlich, erkennbar am Glas-Gabel-Symbol.

Doppelte Kennzeichnung

Viele Handschuhe sind sowohl nach EN 455 als Medizinprodukt als auch nach EN ISO 374 als persönliche Schutzausrüstung zertifiziert. Für den Einsatz in der Reinigung mit Desinfektionsmittelkontakt ist diese Doppelzertifizierung die sinnvolle Wahl.

Normen und Prüfverfahren

DIN EN 455-1 DIN EN 455-2 DIN EN 455-3 DIN EN 455-4 MDR (EU) 2017/745

Häufige Fragen zu EN 455

Was regelt die EN 455?

Sie legt die Anforderungen an medizinische Einmalhandschuhe fest: Dichtheit, physikalische Eigenschaften wie Reißkraft, biologische Sicherheit einschließlich Latexproteinen und Endotoxinen sowie die Haltbarkeit.

Sind Vinylhandschuhe für medizinische Zwecke geeignet?

Nur eingeschränkt. Vinyl hat eine geringere Dichtheit und Reißfestigkeit als Nitril und ist für Tätigkeiten mit Infektionsrisiko oder Chemikalienkontakt nicht empfohlen. Für kurze, risikoarme Tätigkeiten kann es ausreichen.

Sind EN-455-Handschuhe für Lebensmittel geeignet?

Nicht automatisch. Dafür ist eine separate Konformitätserklärung für Lebensmittelkontakt erforderlich, erkennbar am Glas-Gabel-Symbol auf der Verpackung.

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