Kraftpapier

Auch bekannt als: Kraftliner, Sackkraftpapier, Braunpapier

Kraftpapier ist ein besonders reißfestes, meist unbleichtes braunes Papier, das im Sulfat- oder Kraftverfahren aus Langfaserzellstoff hergestellt wird. Es ist die Grundlage für Papiersäcke, Packpapier und Versandverpackungen und verdankt seinen Namen der hohen Festigkeit, nicht seiner Farbe.

Der Name Kraftpapier bezieht sich auf das Herstellungsverfahren und die daraus resultierende Festigkeit – nicht, wie oft angenommen, primär auf die braune Farbe.

Herkunft des Namens

Kraftpapier wird im Sulfatverfahren hergestellt, das im deutschen Sprachraum auch Kraftverfahren heißt, weil es besonders reißfeste, kraftvolle Fasern liefert. Die charakteristische braune Farbe entsteht durch den hohen Ligningehalt des ungebleichten Zellstoffs, ist also eine Nebenwirkung des Verfahrens, nicht dessen Zweck. Gebleichtes Kraftpapier gibt es ebenfalls, es ist dann weiß bis leicht cremefarben.

Herstellung

Nadelholz liefert die langen, reißfesten Fasern, die für Kraftpapier benötigt werden. Der Zellstoff wird nur so weit gemahlen, dass die Fasern ihre Länge weitgehend behalten – anders als bei weichem Hygienepapier, wo kurze, feine Fasern erwünscht sind. Das Ergebnis ist ein Papier mit hoher Reiß- und Berstfestigkeit bei vergleichsweise geringem Gewicht.

Eigenschaften

  • Hohe Reißfestigkeit in Faserrichtung
  • Gute Dehnbarkeit ohne sofortiges Versagen
  • Beständigkeit gegenüber mechanischer Beanspruchung beim Transport
  • Grammaturen typischerweise zwischen 60 und 140 g/m², je nach Anwendung

Anwendungen

Papiersäcke für Bauprodukte, Lebensmittel und Chemikalien, Packpapier zum Einschlagen und Auspolstern, Versandtaschen, Tragetaschen mit Kordelgriff und die äußere Deckschicht von Wellpappe, die sogenannte Kraftliner-Deckschicht. Auch die innere Lage mehrlagiger Papiersäcke, oft mit einer Polyethylen-Zwischenschicht kombiniert, besteht meist aus Kraftpapier.

Kraftpapier versus Kraftliner

Kraftliner ist die spezifische Bezeichnung für Kraftpapier, das als Deckschicht in Wellpappe verwendet wird. Der Begriff Kraftpapier ist weiter gefasst und schließt alle Anwendungen ein, bei denen die Reißfestigkeit des Kraftverfahrens genutzt wird.

Umweltaspekte

Kraftpapier ist gut recycelbar und wird selbst häufig aus Altpapier hergestellt, sofern die geforderte Festigkeit noch erreicht wird. Da es meist unbeschichtet und unbedruckt zum Einsatz kommt, eignet es sich gut für die Altpapiersammlung und lässt sich vergleichsweise unkompliziert wiederverwerten.

Normen und Prüfverfahren

DIN EN ISO 536 DIN 55437

Häufige Fragen zu Kraftpapier

Woher hat Kraftpapier seinen Namen?

Vom Sulfat- oder Kraftverfahren, mit dem es hergestellt wird und das besonders reißfeste Fasern liefert. Der Name bezieht sich also auf die Festigkeit, nicht in erster Linie auf die braune Farbe.

Ist Kraftpapier immer braun?

Nein. Die braune Farbe entsteht durch den hohen Ligningehalt des ungebleichten Zellstoffs. Gebleichtes Kraftpapier ist weiß bis cremefarben, behält aber die charakteristische Reißfestigkeit des Verfahrens.

Was ist der Unterschied zwischen Kraftpapier und Kraftliner?

Kraftliner bezeichnet speziell die Kraftpapier-Deckschicht von Wellpappe. Kraftpapier ist der übergeordnete Begriff für alle Anwendungen, die auf dem reißfesten Kraftverfahren beruhen, etwa auch Papiersäcke und Packpapier.

Verwandte Begriffe